WILLKOMMEN IM SCHLOSS SCHWERIN
Rundgang innen
Rundgang im Schloss
Schlossmuseum
In die Säle und Räume des Schlossmuseums gelangt man über das Gartenportal. Hinter dem großen kassettierten, hölzernen Tor liegt die durch zwei Pfeiler und sechs Säulen in drei Schiffe geteilte Durchfahrt in den Innenhof. Die mit Girlandenketten spiralig umwundenen Säulen geben zusammen mit dem reichen Sterngewölbe diesem Raum sein Gepräge. Die 14 Medaillons in der oberen Wandzone sind allegorische Darstellungen der Künste und Jahreszeiten, modelliert von dem Bildhauer Friedrich Wilhelm Dankberg (1819-1866). Die rechte Tür der Durchfahrt nutzend, gelangt man über eine Treppe in das 1. Obergeschoss. In den ehemaligen großherzoglichen Kinderzimmern, Räumen mit eichenholzimitierten Decken, Türen und Fenstern, haben die schönsten Exponate der Porzellansammlung des Schweriner Museums ihre Heimat gefunden. Der mit nahezu dreitausend Stücken beachtliche Bestand an hervorragenden Porzellanen geht auf die ehemalige großherzogliche Sammlung zurück, die Christian Ludwig II. (1683-1756) zur Ausstattung seiner Schlösser begonnen hatte. Zu den Glanzstücken der Porzellansammlung gehört eine Vielzahl seltener Objekte aus der Anfangszeit der Meißner Manufaktur, wie z. B. die Feldherrenstatuette aus braunem Böttgersteinzeug. Der Erfindung des europäischen Porzellans im Jahre 1710 in Dresden folgte die Gründung der ersten Porzellanmanufaktur auf dem Kontinent. Zunächst wurden die weißen Porzellane zur Bemalung an Hausmaler z. B. nach Augsburg abgegeben. Ein von Sabina Auffenwerth mit mythologischen Szenen bemaltes Service ist ein besonders gelungenes Beispiel dieser Epoche. Schon bald jedoch ermöglichte die Erfindung der Aufglasurpalette durch Johann Gregorius Höroldt (1696-1775) eine Staffierung in der Manufaktur selbst. Eine Bereicherung der Schweriner Sammlung bilden zahlreiche qualitätsvolle Plastiken, Tierskulpturen, Rokokofiguren, Darstellungen von Berufen oder Volkstypen, die Johann Joachim Kaendler (1706-1775), der Schöpfer der europäischen Porzellanfigur, und seine Schüler schufen. Die Porzellane aus der neben Meißen bedeutendsten Manufaktur des 18. Jahrhunderts, der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur in Berlin, stellen einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung dar. Der Vorläufer der berühmten KPM wurde im Jahre 1751 von Wilhelm Caspar Wegely gegründet. Seine noch vom Experimentieren mit dem neuen Material geprägten Arbeiten sind zumeist ohne Bemalung weiß glasiert bzw. mit plastischen weißen Reliefauflagen verziert. Als im Jahre 1763 der preußische König Friedrich II. (1712-1786) die Manufaktur übernahm, führte er sie zu seiner eigentlichen Blüte, die hier durch hervorragende Plastiken, Geschirrformen und Dekore des 18. Jahrhunderts präsentiert wird. Hervorhebenswert sind auch die mit reichen Bemalungen und Vergoldungen versehenen Dèjeuners, Tassen und Porzellaneier, die vom gewandelten Formempfinden des frühen 19. Jahrhunderts sprechen. Nach der Mitte des 18. Jahrhunderts kam es in ganz Europa zur Gründung zahlreicher Porzellanmanufakturen, von denen unter anderem Fürstenberger, Ludwigsburger, Gothaer und Wiener Porzellane in der Ausstellung zu sehen sind. Beispielhaft für die Erneuerungsbewegung im Porzellan seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert sei auf die Porzellanplastik des blinden Bettlers von Ernst Barlach (1870-1938) aus den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst in Unterweißbach hingewiesen. Als einziges Museum der DDR begann das Staatliche Museum Schwerin bereits im Jahre 1963 mit dem Ankauf zeitgenössischer Porzellane aus Meißen und führte damit die qualitätsvolle Sammlung von Altmeißner Porzellanen fort. Die Gemälde sind Werke von Malern in Mecklenburg aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Vielfalt der Thematik und individuelle Handschriften, aber vor allem die durchgängig beachtliche künstlerische Qualität der Gemälde werden den Betrachter überraschen.
Treppen- und Galeriebereiche
Zwei Türen an der linken Seite der Gartenportaldurchfahrt führen in das 1990 restaurierte Vestibül mit terrakottageschmückten Korbbögen. Die Medaillons symbolisieren die vier Jahreszeiten. Die anschließende Rote Marmortreppe ist eine Neufassung aus der Zeit zwischen 1926 und 1931 nach einem Entwurf von Paul Ehmig. Das originale Treppenhaus, eine Konstruktion aus vergoldeten filigranen Eisengussteilen mit Stufen aus schwarzem Marmor, war der Brandkatastrophe 1913 zum Opfer gefallen. Vorbei an dem im ehemaligen Königssaal eingerichteten Schlosscafé im 2. Obergeschoss gelangt der Besucher in die Beletage. Im renovierten Säulenzimmer befindet sich eine Darstellung des Schlossgeistes Petermännchen. Der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von D. Spiess auf eine Schranktür gemalte kleine Zwerg in der Tracht des Dreißigjährigen Krieges mit hohem federgeschmückten Hut, Halskrause, Stulpenstiefeln und auf Stelzen stehend bildet den Ausgang für vielfältige Petermännchendarstellungen seit dem 19. Jahrhundert. Die Sylvestergalerie wird geprägt durch einen in zartem grün und orange geflammten Stucco lustro in den Wänden, kannelierte Stuckpilaster und sechs Wandgemälde mit Allegorien der Tages- und Jahreszeiten. Der Sandsteinkamin aus dem Jahre 1616 stammt aus dem Schloss Dargun und fand im 19. Jahrhundert hier seinen Platz. Die Szene auf dem Gesims illustriert die römische Legende von Marcus Curtius.
Speise- und Schreibzimmer
Zur Seeseite angrenzend liegt ein holzgetäfeltes Zimmer, das als Speise -später auch als Schreibzimmer genutzt wurde. Furnier aus kostbarem kanadischen Vogelaugenahorn bildet mit seinem warmen Braunton einen deutlichen Kontrast zu den sparsamen Vergoldungen. Ein Wandfries zeigt Früchte, Blumen und Kindergestalten auf rotem Grund. In den Nischen stehen ein flötespielender Knabe und Vasen, diese vorwiegend aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Die kunstvollen Schnitzereien unter den Nischen weisen mit Wild, Fisch, Obst und Gemüse auf Tafelfreuden hin. Mit Pappmaché ornamentierte Holzbalken und weiße mit Arabesken und Krebsen bemalte Zwischenflächen rhythmisieren die Decke. Der Kamin wurde nach 1883 eingebaut. Die in Berlin gegossene Kaminplatte zeigt das siebenfeldrige mecklenburgische Wappen. Das farbige Glasfenster über einer reich mit Schnitzereien verzierten zweiflügeligen Tür entstand nach einer mittelalterlichen Vorlage aus Nürnberg um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der heiligen Katharina von Alexandria, mit Folterrad und Schwert als Attribute ihres Martyriums dargestellt, reicht das Jesuskind auf dem Schoße Marias einen Verlobungsring.
Rote Audienz
Das anschließende Vorzimmer ist die Rote Audienz. Zwischen den zum Burggarten weisenden Fenstern finden sich zwei mit vergoldeten Holzverzierungen geschmückte Spiegel. Die Decke hat freiliegende Balken, die ornamentierte Stuckgewölbe einschließen. Die Gemälde des Schweriner Hofmalers Theodor Schloepke (1812-1878) zeigen den Komponisten Friedrich Wilhelm Kücken (1810-1882) sowie den Intendanten der großherzoglichen Kunstsammlungen Eduard von Prosch (1804-1878). Pauline Soltau (1833-1902) aus der berühmten mecklenburgischen Malerfamilie der Suhrlandts schuf die Altersbildnisse des Architekten G. A. Demmler und seiner Gemahlin. Mit Möbeln des 18. und 19. Jahrhunderts sowie großen Prunkvasen aus Russland und Japan sind diese Räume ausgestattet.
Tee- und Winterzimmer
Aus der alten Ratsstube des 16. Jahrhunderts entstanden im letzten Jahrhundert durch Teilung das an der Seeseite befindliche Teezimmer und das zum Schlosshof hin liegende Winterzimmer. Der Innenausbau erfolgte ab 1855 nach Plänen von Stüler, dem Rostocker Architekten Luckow und H. Willebrand. Beachtenswert sind die Decken mit holzimitierten und vergoldeten Pappmachèreliefs, die im Winterzimmer bereits original rekonstruierten textile Wandbespannungen und das kunstvolle Tafelparkett. Zur Ausstattung gehören Möbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert, u. a. ein süddeutscher Spätbarockschrank aus Nussbaumholz mit fein gearbeiteten Intarsien sowie Empiremöbel mit Vergoldungen. Als Ergänzung dienen Gemälde von Künstlern aus diesen Jahrhunderten. Auf Holztäfelchen malte der vorwiegend im Dresden des 18. Jahrhunderts wirkende Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712-1774) seine italienischen Landschaften. Gerhard von Kügelgen (1772-1820) porträtierte die russische Prinzessin Helena Pawlowna (1784-1803), die im Alter von 14 Jahren nach Mecklenburg verheiratet wurde. Während eines Parisaufenthaltes ließ sich der mecklenburgische Erbherzog Friedrich Ludwig (1778-1819) von dem künstlerischen Histographen der napoleonischen Familie, Francois Gerard (1770-1837), malen. Der mecklenburg-strelitzsche Hofmaler Anton Zeller (1760-um 1837) schuf das Gemälde der preußischen Königin Luise. Die Bronzebüste ihrer Tochter, der preußischen Prinzessin Alexandrine, ist ein Beispiel für die klassizistischen Porträtdarstellungen des Berliner Bildhauers Ch. D. Rauch. Im Biedermeierschrank im Winterzimmer ist vorwiegend Berliner Porzellan ausgestellt. In ästhetischer Übereinstimmung mit den Porzellanen erfolgte die Auswahl von Werke höfischer Malerei. Der Begründer der Schweriner Kunstsammlung, Herzog Christian II. Ludwig, hatte engen Kontakt zu bedeutenden Malern seiner Zeit und erwarb u.a. Stilleben von Jean Baptiste Oudry (1668-1755) und Jan van Huysum (1682-1749), Landschaften Johann Alexander Thieles (1665-1752), Interieurs und Genresszenen von Christian W. E. Dietrich (1712-1774) sowie Bildnisse von Antoine Pesne (1683-1757) und Balthasar Denner (1685-1749). Die Werke von Carl Malchin (1838-1923), Franz Bunke (1857-1939), Marie Hager (1872-1947) und Rudolf Bartels (1872-1943) stehen für vier malerische Traditionen aus Mecklenburg, die in ihrer Verbundenheit mit der heimatlichen Landschaft im weitesten Sinne den Übergang zur Moderne bilden. Die Stilleben Heinrich Suhrlandts (1742-1827), das Gemälde seines Sohnes Rudolf (1781-1862) "Venus lehrt Amor den Bogen spannen" und Gaston Lenthes (1805-1860) "Hermann und Dorothea" sind Beispiele für die Malkultur der mecklenburgischen Hofmaler. Friedrich Wilhelm Schadow (1788-1862), Direktor der Düsseldorfer Akademie, stellt die Erbgroßherzogin Alexandrine von Mecklenburg mit ihren ältesten Kindern, Friedrich Franz II., durch den Apfel als zukünftiger Herrscher charakterisiert, und Luise dar.
Blumenzimmer
Das Blumenzimmer ist ein Raum im Hauptturm des Schlosses mit direkter Zugangsmöglichkeit zu den Burggartenterrassen. Seine Benennung verdankt es den mit Spiegeln verkleideten Fensternischen, in denen Blumen um kleine Springbrunnen, die aus Paris stammen, gruppiert sind. Das Deckengemälde ist eine Allegorie auf die Großherzogin Auguste (1822-1862), Gemahlin Friedrich Franz II.. Deren Bildnisse, mit prachtvollen Blüten im Haar, sind in den Medaillons über den Fenstern zu sehen. Die Gliederung des Raumes mittels Kreisausschnitten wird deutlich beim Betrachten der aufwendig gestalteten Stuckdecke, der blumengeschmückten Karyatiden, die das Gesims tragen und des Intarsienfußbodens mit zartem Blütenrankwerk.
"Wohnzimmer"
Vorschläge für die Gestaltung des anschließenden "eigentlichen Wohnzimmers" stammen von Heinrich Strack. Erneuert sind die Konsolen für das Bord mit den Motiven Putto, Hase, Löwe, Hirsch, Vogel und Fuchs. Nach gefundenen Resten gelang die Rekonstruktion der Seidendamastbespannung, deren Dekor Lyoner Vorbilder vermuten lässt. Leider lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, wie das Wohnzimmer am Einzugstag der Herrschaften in das neue Schloss am 26. Mai 1857 eingerichtet war, denn es wurde bereits wenige Jahre danach mit anderen Möbeln ausgestattet. Die aus dieser Einrichtung stammenden reich beschnitzten Eichenmöbel konnten erst in jüngster Zeit angekauft werden und stellen insofern eine Seltenheit dar, da alle beweglichen Gegenstände aus dem Schloss Schwerin nach 1918 Eigentum der ehemaligen Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin blieben. Weitere Ankäufe von repräsentativem Mobiliar im Stil des Historismus ermöglichen eine der Architektur des Schlosses adäquate Einrichtung des Wohnzimmers. Gern verwendete man, wie z. B. bei dem Doppelsofa, die verschiedensten und möglichst ausgefallensten Formen von Sitzmöbeln. Dem sogenannten Polsterstil der Jahrhundertmitte entsprechend, wuchsen Bezüge und Polster über die Gestelle der Möbel hinweg. Schnitzereien und gedrehte Holzteile erinnern an Möbel der Renaissance. Ein besonders außergewöhnliches Stück des Historismus ist der aus England stammende Nähtisch in kugeliger Form, dessen Korpus aus Pappmachè gebildet ist. Ihn zieren von Lackmalerei überzogene Perlmuttintarsien, die der Malerei einen glänzenden Schimmer verleihen. Das weiße Putzfeld an der gegenüberliegenden Wand verdeckte ursprünglich ein Ofen, der in den Sommermonaten mit einer Stoffdekoration kaschiert und mit Kleinplastiken geschmückt wurde.
Bibliothek
Der Weg führt hinauf in die Festetage bis in die Bibliothek. Hauptschmuck sind hier 12 Schränke aus poliertem Eichenholz. In den Bögen über den drei Türen befinden sich vom Hofmaler Carl Schumacher (1797-1869) geschaffene Gemälde mit allegorischen Darstellungen der Philosophie, Jurisprudenz und Theologie. Auf den Schränken stehen lebensgroße Büsten aus Marmor und Gips u. a. Friedrich Schiller (1759-1805) von Johann Heinrich Dannecker (1758-1841), Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) von Christian Daniel Rauch, der auch die preußischen Prinzessinnen Luise und Alexandrine schuf.
Adjutanten-, Billard- und Rauchzimmer
Dem kleinen Adjutantenzimmer geben die gegliederte Holzdecke und die Wandpaneelung sein Gepräge. Hier wird ein Stück Militärgeschichte Mecklenburgs im 19. Jahrhundert anhand einiger Waffen und zeitgenössischer Gemälde anschaulich. Das anschließende Billardzimmer besitzt eine eichenimitierende Holzdecke. Die holzgetäfelten Wände sind am oberen Rand durch Intarsien geschmückt. Der vom Bildhauer Friedrich Wilhelm Dankberg (1819-1866) geschaffene Stuckfries ist eine plastische Nachbildung eines Teils des von Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) gemalten Frieses im Treppenhaus des Neuen Museums in Berlin (im Zweiten Weltkrieg zerstört). Der Puttofries enthält Sagen und Legenden der Menschheitsgeschichte von Prometheus bis zum Untergang des Römischen Reiches. An den Wänden zeigen Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts von Malern wie Theodor Schloepke, Johann Alexander Thiele (1685-1752), Theodor Martens (1822-1884) und Friedrich Schnelle (1797-1849) das Schloss und seine Umgebung. Das Rauchzimmer befindet sich ebenfalls im Hauptturm. Die Decke ist durch Holzrippen gegliedert, die sich in der Mitte zu einem Stern vereinigen und in einem Zapfen enden. Der Arabeskenfries in der oberen Wandzone ist eine stuckierte Holzimitation. Im Raum steht die 1858 aus carrarischem Marmor gearbeitete Plastik des damals in Italien lebenden Bildhauers Carl Steinhäuser (1813-1879) Genovefa von Brabant, eine Sagengestalt des Mittelalters.
Thronsaal
Der Thronsaal ist der bedeutendste historische Raum des Schweriner Schlosses. 1858 vollendet, vermittelt er in seiner reichen künstlerischen Ausfertigung die besten Vorstellungen von der prunkvollen Innenarchitektur im Stile der Neorenaissance. Als Raum mit annähernd quadratischem Grundriss nimmt er das gesamte 3. Obergeschoss des Bischofshauses ein. Die Nordwand des Saales ist durch den Thronsessel mit dem Baldachin darüber und zwei Ganzfigurenporträts als Schauseite besonders hervorgehoben. Das Bild des Großherzogs Friedrich Franz II. malte Franz Krüger (1797-1857), das seiner Gemahlin Auguste Friedrich Kaulbach (1822-1903). An der Wand unter dem Thronhimmel hängt ein Wandteppich mit dem mecklenburgischen Wappen aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Der mit reichem Schnitzwerk verzierte und vergoldete Thronsessel mit Samtbespannung ist um 1750 entstanden. An beiden Seiten führen vergoldete gusseiserne Türen mit reichen ornamentalen und figürlichen Dekors in weitere Prunkräume des Festgeschosses, während von den vier gleichen Türen an der gegenüberliegenden Wand zwei die alten Heizungsanlagen verdecken. Die Rahmung der zweiflügeligen Türen besteht aus weißem Stuckmarmor, die Stürze aus Stuck mit stilisierten pflanzlichen Motiven. Die Türflügel wurden nach Modellen des Berliner Bildhauers Dankberg in der Eisengießerei Lauchhammer gegossen. In der hof- und seeseitigen Wand liegen je zwei dreiteilige, durch hölzerne Säulchen unterteilte Fenster in korbbogig geschlossenen Nischen von unterschiedlicher Tiefe. Die Wandflächen sind mit rotem Baumwollplüsch bespannt. In der Sockelzone ist dunkler italienischer Marmor verarbeitet worden. Aus Carrara stammen die Marmorsäulen, die vor den Wänden stehen und das kräftig vorspringende Kranzgesims tragen. Oberhalb der Säulen befinden sich an dem vorgekröpften Architrav die Wappen der mittelalterlichen mecklenburgischen Landesteile und geistlichen Herrschaftsbereiche sowie die Initialen des Großherzogs Friedrich Franz II. und seiner Gemahlin. In der Blend-Arkatur der oberen Wandzone sieht man in den durch Hermenpilaster getrennten Rundbogenfeldern die 40 Städtewappen des damaligen Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, gehalten von vergoldeten, geflügelten Putten. Symbolische Darstellungen von Haupterwerbszweigen der früheren mecklenburgischen Bevölkerung, wie Fischerei, Ackerbau, Viehzucht, Schifffahrt, u. a. finden wir als Stuckreliefs zwischen den mit Löwenmasken besetzten Konsolen des Kranzgesimses und als Stuckstatuen über den Säulen an beiden Fensterseiten. Die Statuen vor den anderen Wänden verkörpern weltliche und christliche Tugenden. Die prächtige Saaldecke ist durch mehrere Friesbänder in Felder unterschiedlicher Größe und Form geteilt. Eine aus Stuckvoluten geformte plastische Rosette ist von einem stuckierten Lorbeerkranz mit Schleifenbändern eingefasst. Daran schließen sich vier Freskogemälde mit allegorischen Darstellungen der Tugenden Liebe, Treue, Großmut und Frömmigkeit an. An der Decke fallen außerdem noch die auf Goldgrund gemalten Groteskendarstellungen auf - weibliche Gestalten mit Siegeskränzen, umrahmt von zartem Pflanzenwerk. Den äußeren Deckenbereich überzieht ein gemaltes Gittermuster mit zwölf vergoldeten Stuckkartuschen, die Medaillons mit den Initialen des Großherzogs und Darstellungen der verschiedenen Hausorden deutscher und ausländischer Fürstenhäuser enthalten. Von der Decke hängt ein vergoldeter Messingkronleuchter mit 54 Kerzen herab. Ein Kunstwerk ersten Ranges ist der Fußboden, ein Tafelparkett mit Intarsieneinlagen. In der Mitte befindet sich ein Tondo mit den von Putten gerahmten großherzoglichen Initialen. Durch Ankäufe und Schenkungen in jüngster Zeit ist der Raum jetzt ausgestattet mit Möbeln aus der Zeit des Historismus und zeigt eine seinem ursprünglichen Erscheinungsbild gegen Ende des letzten Jahrhunderts verwandte Wirkung. Stilistisch fügt der Historismus Formvorbilder vergangener bedeutender europäischer Kunstepochen zu einer neuen Synthese zusammen und verwendetdie neuen Möglichkeiten maschineller Fertigung für die künstlerische Ausarbeitung. Das Brandzeichen des Schweriner Schlosses auf einem runden Tisch weist ihn als ehemals zum Inventar des Hauses gehörig aus. Ein Armlehnstuhl mit reichen Schnitzereien und gedrehte Holzteilen, die Vorbilder in der Renaissance und im Barock haben, zeigt das Wappen der mecklenburger Herrscher. Den seit 1850 bevorzugten so genannten "Polsterstil" repräsentiert eine "confidance" (Doppelsessel).
Ahnengalerie
Dem Thronsaal ist auf der Seeseite im Haus über der Schlossküche die etwa 25 m lange Ahnengalerie vorgelagert, ein Raum mit überaus festlichem Charakter. Der Initiator des Schlossneubaus im 19. Jahrhundert ließ in einer Folge von 31 Gemälden die lückenlose Reihe seiner herzoglichen Vorfahren darstellen. Die hier abgebildeten fürstlichen Personen füllen den Zeitraum von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis in die Zeit um 1800. Die zur Ausstattung der Ahnengalerie verwendeten Materialien unterstreichen die repräsentative Funktion des Raumes, dessen Länge durch einen auf vorgezogene Seitenwände gesetzten Korbbogen optisch gemildert wird. Der schöne Intarsienfußboden mit seinen abgewogenen farblichen Nuancen entstand in den Schweriner Schlosswerkstätten durch eine Kombination von Edelholzfurnieren mit einheimischen Hölzern. Besonders kostbar ist die Ausbildung der Wandpaneele aus geflammten Nussbaumhölzern. Die Lataibretter der Fensteröffnungen entstanden aus heimischem Granit, der in der am Rande des Schlossgartens gelegenen und von Demmler für den Schlossumbau neu belebten Schleifmühle verarbeitet wurde. Den Rhythmus des Raumes bestimmen die vergoldeten Säulen, die auf vorgekröpften Postamenten stehen und ein Gesims mit vergoldeten Kartuschen und vasenähnlichen Aufsätzen tragen. Die verlorengegangenen Zinkgusssäulen im kleineren Raumteil wurden 1976 in Hartstuck nachgebildet. Den festlichen Charakter des Raumes unterstreicht eine reich ornamentierte, vergoldete Linkrusta-Tapete, mit der die Kartuschen über den Bildnissen hinterlegt sind. Die kassettierte Stuckdecke ist nur sparsam vergoldet, steht aber in ihrer feinteiligen Gliederung in einem wirkungsvollen Kontrast zu den stark farbigen Teilen der übrigen Ausstattung. In der Laibung der korbbogigen Öffnung zwischen den beiden Raumteilen sind zwei Messingtafeln mit dem Stammbaum des mecklenburgischen Herrscherhauses eingefügt. Seine Aufstellung besorgte der um die Erforschung der älteren mecklenburgischen Geschichte sehr verdiente Archivar Friedrich Lisch (1801-1883). Er konzipierte auch die thematische Ausgestaltung der wichtigsten Festräume, u. a. auch die von Thronsaal und Ahnengalerie, beschaffte Originale bzw. Vorlagen für die Zusammenstellung der Ahnenreihe und lieferte darüber hinaus wertvolle Erkenntnisse über die Geschichte des Schlosses, da er als ständiger Beobachter während des Abbruchs der alten Schlossteile eifrig alle dementsprechenden Hinweise und Erkenntnisse sammelte. Da es keinen Vorläufer der Ahnengalerie im Schweriner Schloss gab, bereitete die Beschaffung der entsprechenden Bilder zum Teil erhebliche Schwierigkeiten. Für die Frühzeit bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts musste auf Vorlagen zurückgegriffen werden, die sich als Wandfresken, Epitaphien oder Gemälde beispielsweise in den Kirchen befanden, wo Angehörige des Herzogshauses bestattet liegen. Es handelt sich dabei in der Regel um Idealbildnisse, die der Hofmaler Theodor Fischer (1817-1873) formatgerecht für die Ahnengalerie fertigte. Die Gemälde ab dem 16. Jahrhundert sind zum größten Teil Originale, die Künstlern wie Peter Boeckel (von 1561-1598 Schweriner Hofmaler), Daniel von Block (1612-1650 in Schwerin nachweisbar), Balthasar Denner (1685-1749) und Georg David Matthieu (1737-1778) zugeordnet werden. Die Marmorbüste des Großherzogs Friedrich Franz III. (1851-1897) in der SüdWest-Ecke der Ahnengalerie ist eine Arbeit des Bildhauers Hugo Berwald (1863-1937) vom Ende des 19. Jahrhunderts, in der er Persönlichkeit und Amt des Dargestellten hervorragend erfasst.
Schlössergalerie und Festsaal
Die im Haus über der Schlossküche gelegene Schlössergalerie ist einer der Vorräume des Thronsaales. Hauptschmuck sind Wandgemälde von Friedrich Jentzen (1815-1901) aus dem Jahre 1857 mit den Darstellungen der großherzoglichen Schlösser. Die auf den Gemälden dargestellten Gebäude sind mit Ausnahme des 1945 ausgebrannten Schlosses in Dargun und des Landhauses in Herrensteinfeld erhalten und zählen zu den Baudenkmalen Mecklenburgs. Das Schloss Güstrow - einer der bedeutendsten Renaissancebauten im Norden Deutschlands - wurde in alter Pracht wiederhergestellt und 1972 einer musealen Nutzung durch das Staatliche Museum Schwerin zugeführt. Im 18. Jahrhundert entstand das Spätbarockschloss Ludwigslust. Dort werden vorwiegend Kunstwerke dieser Zeit ebenfalls aus den Schätzen des Schweriner Kunstmuseums gezeigt. Die Bilder der mecklenburgischen Trachten schuf der Maler Th. Fischer. Die Wände der Schlössergalerie sind an der Hofseite mit stuckiertem Paneel, gegenüber mit rosafarbenem Stucco lustro bedeckt. Der Weg führt durch zwei Räume mit Stuckdecken zur Roten Marmortreppe. Das Historiengemälde Niklots Tod zeigt den letzten Kampf des Slawenfürsten im Jahre 1160. Th. Schloepke schuf es zwischen 1855 und 1857 in Paris. Vom Treppenrondell ist ein schlichter Festsaal erreichbar, der 1972 anstelle des 1913 ausgebrannten Goldenen Saales errichtet wurde.
Plenarsaal und Obotritentreppe
Erst 1948 entstand an der Stelle eines im 19. Jahrhundert geplanten, aber nie ausgeführten Bankett- und Speisesaales, der Plenarsaal für den Landtag Mecklenburg-Vorpommern. Im Herbst 1990 erfuhr er eine Umgestaltung für die erneute Nutzung durch das Landesparlament. Aus den Fenstern des Rondells ist am gegenüberliegenden Burggartenflügel, der sich nach Osten im Haus über der Schlosskirche fortsetzt, unter den Erdgeschossarkaden aus dem 19. Jahrhundert das Renaissanceportal der Schlosskirche zu sehen. Im Winkel zwischen dem anschließenden Neuen Langen Haus und dem Bischofshaus liegt die noch auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Obotritentreppe. Ihren Namen verdankt sie den beiden Atlanten am Mittelportal, die beim Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts an die Stelle stark verwitterter Renaissanceplastiken traten. Die Wappen, Wahlsprüche und Porträtbüsten der Bauherrn und ihrer Gemahlinnen aus dem 16. und 19. Jahrhundert schmücken die oberen Geschosse. Das Bildwerk im Giebelfeld, eine Frauengestalt mit Ährenbündel und Schiffsruder, hinter ihr der Stier, das Mecklenburger Wappentier, ist die Megalopolis. Sie gilt als Sinnbild Mecklenburgs.





