Jugendbegegnungstage 2011 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
„Ihr seid unsere Hoffnung“
Keine gewöhnliche Klassenfahrt
Es ist keine gewöhnliche Klassenfahrt, das wissen alle. Sie wissen auch um die besondere Chance, sich fern des Klassenzimmers mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und besser zu verstehen, wie Menschen so schreckliche Verbrechen begehen können.
Im Rahmen des Projektes informieren sich die Jugendlichen über die Geschichte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, gewinnen beim Rundgang über das riesige Gelände einen Eindruck über das bis ins Letzte durchorganisierte Konzept der Nazis zur Internierung, Ausbeutung und Ermordung Hunderttausender Menschen. Sie recherchieren die Schicksale von Frauen aus vielen Ländern und setzen sich in den Ausstellungen „Im Gefolge der SS“ und „Das Führerhaus“ auch mit den Handlungen und Motiven der SS-Offiziere und Lager-Aufseherinnen auseinander.
Gespräch mit Überlebenden
Am bewegendsten für alle ist die Begegnung mit drei Überlebenden: Batsheva Dagan, die als polnische Jüdin fast ihre ganze Familie im Holocaust verlor, nach Auschwitz verschleppt wurde und bei Kriegsende auf dem Todesmarsch gen Westen nach Ravensbrück kam. Ilse Heinrich, die vor der schweren Feldarbeit bei fremden Bauern geflohen war und deshalb als „Asoziale“ eingesperrt wurde. Und Charlotte Kroll, die für eine zutiefst menschliche Geste ins Konzentrationslager kam: Sie hatte einer schwangeren Fremdarbeiterin Babykleidung geschenkt.
„Am meisten beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der die Zeitzeugen über ihre Vergangenheit berichtet haben“, spricht Jessica Hübner wohl allen aus dem Herzen. „Aus meiner Sicht verdienen sie den höchsten Respekt“, findet auch Christoph Jahnke. Alle drei Frauen eint ein Motiv: „Wir wollen, dass das nicht vergessen wird. Wir haben hier die Hölle durchlebt, und das möchten wir an die Schüler weitergeben.“ Sie schöpfen aus den Begegnungen mit den Schülern Kraft – und Vertrauen in die Jugendlichen, „die wissen wollen, was geschah“, wie Batsheva Dagan sagt. Sie hofft, dass diese Jugend mit dafür sorgen wird, dass sich so eine schreckliche Zeit nicht wiederholt. „Wir haben den größten Teil unseres Lebens hinter uns“, sagt sie zu den Schülerinnen und Schülern. „Wenn wir einmal nicht mehr sind, müsst ihr für uns sprechen! Ihr seid unsere Hoffnung!“
Das sagen Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Am meisten beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der die Zeitzeugen über ihre Vergangenheit berichtet haben, und auch, dass man auf einer ganz anderen Schiene der ganzen Sache begegnet. Für mich ist es ein Unterschied, ob man geschichtliche Sachen aus Büchern oder von Lehrern lernt oder wirklich von Menschen, die dabei waren, die alles viel emotionaler und wirklichkeitsnah vermitteln. Das Projekt ist für Schüler, die sich für dieses Thema halbwegs interessieren, eine sehr gute Gelegenheit ist, sich näher darüber zu informieren und daraus zu lernen. Jessica Hübner
Mich hat vor allem beeindruckt, wie das die Zeitzeuginnen, die damals alles miterlebt haben, rübergebracht haben. Aus meiner Sicht verdienen sie den höchsten Respekt, so was wieder zu erzählen. Denn man möchte das am besten eigentlich vergessen, und durch das Erzählen kommt ja alles wieder hoch. Ich finde, dieses Projekt müsste noch weiter ausgebaut werden, es müsste noch mehr unterstützt werden, damit sich so was nie wiederholt. Wenn man dieses Wissen von Generation zu Generation weitergibt, dann kann man daraus lernen und man kann etwas Besseres aufbauen. Christoph Jahnke
Ich denke, dass wir sehr viel gelernt haben. Wir waren vor zwei Jahren schon einmal hier, und durch die Ruhe und auch diesen Frieden, der hier ist, durch den See und die ganze Landschaft, wurde uns der Schrecken, der mit diesem Ort verbunden ist, gar nicht bewusst. Dadurch, dass wir jetzt mit den Zeitzeuginnen sprechen konnten, ist einem das viel näher gekommen und bewusster geworden. Vivien Kunz
Man darf die schlimme Zeit des Nationalsozialismus nicht vergessen und man muss offen darüber sprechen. Nichts sollte verheimlicht oder beschönigt werden, dann die Jugend hat ein Recht darauf, dies zu erfahren, um verhindern zu können, dass solche Grausamkeiten wieder geschehen. Ulrike Eckert
Die Schülerinnen und Schüler haben keine Schuld an den Verbrechen der Deutschen in der Zeit des Nazi-Regimes. Aber sie tragen wie wir alle Verantwortung, dass sich solche Verbrechen nie wiederholen! Dass die Jugendlichen bei unserem Projekt dabei sind, werte ich als Zeichen, dass sie sich dieser Verantwortung bewusst sind.
Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Landtages M-V




