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Mitte Juni Antrag bei der Kultusministerkonferenz eingereicht

Schweriner Schlossensemble UNESCO-Welterbe?

Nun ist es soweit – das "Schweriner Residenzensemble – Kulturlandschaft des romantischen Historismus" ist auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe einen Schritt weiter: Der Antrag zur Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste ist erstellt und wurde bei der Kultusministerkonferenz eingereicht.

Das Residenzensemble Schwerin - einzigartige Kulturlandschaft des romantischen Historismus. Foto: Cornelius Kettler

UNESCO-Welterbe

Vor 40 Jahren – am 16. November 1972 – verabschiedete die UNESCO die Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt.  Aus der Erwägung, "dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen", wie es in der Präambel der Welterbekonvention heißt, bildete die UNESCO die "Liste des Welterbes". Diese Liste beinhaltet mittlerweile 936 Denkmäler aus 153 Ländern.
Bis heute haben sich dem international bedeutendsamsten Übereinkommen der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes 189 Staaten angeschlossen. Sie haben sich dazu verpflichtet, die sich innerhalb ihrer Grenzen befindenden Welterbestätten zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren. Diese Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, neue Stätten vorzuschlagen, die daraufhin in einem zwischenstaatlichen Komitee der UNESCO geprüft werden.

Ein Residenzensemble von herausragender kultureller Bedeutung

In Deutschland gibt es 36 eingetragene Welterbestätten – darunter der Aachener Dom als erstes deutsches Denkmal auf der Liste oder die Altstädte von Stralsund und Wismar. 2007 hatte nun auch der Landtag Mecklenburg-Vorpommern beschlossen, eine Bewerbung für die Aufnahme des Residenzensembles Schwerin in die UNESCO-Welterbeliste zu unterstützen. Drei Jahre später – am 07. September 2010 – verpflichteten sich der Landtag, die Landesregierung und die Stadt Schwerin, gemeinsam auf eine erfolgreiche Antragstellung hinzuarbeiten.

Welterbe-Potenzial

Bereits im Herbst 2010 bescheinigte der Kunsthistoriker Prof. Christofer Herrmann auf einem Fachkolloquium im Schloss dem Schweriner Residenzensemble das Potenzial zur Aufnahme in die Welterbeliste.
Was genau den Schlosskomplex zum potenziellen Weltkulturerbe macht, hat der Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach nach den Vorgaben der UNESCO ausgearbeitet. Die Ergebnisse wurden im April 2012 öffentlich vorgestellt.

Welterbe-Kriterien

Eine Welterbestätte muss einen herausragenden universellen Wert (outstanding universal value = OUV) besitzen, welcher von Authentizität und Integrität geprägt ist.

Die historische Echtheit des Schweriner Wahrzeichens zeigt sich in der über 1000 Jahre andauernden Tradition als politisches Zentrum. Bereits im Frühmittelalter stand an der Stelle des heutigen Baus eine slawischer Fürstenburg. In den folgenden Jahrhunderten war das Schloss Sitz der Mecklenburger Herzöge und Großherzöge, bis Ende des 20. Jahrhunderts der Landtag Mecklenburg-Vorpommern einzog.
Entscheidend ist außerdem, dass Bauwerk und Umgebung nahezu unversehrt erhalten geblieben sind. Es gab kaum Verluste durch Zerstörungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg und die historischen Sichtbezüge sind auch heute noch erlebbar.

Neben diesen übergeordneten Vorgaben muss außerdem mindestens eines von zehn UNESCO-Kriterien erfüllt sein – für das Schweriner Residenzensemble treffen sogar zwei dieser Anforderungen zu:

Das Ensemble ist ein einmaliges Zeugnis für die höfische Kultur des 19. Jahrhunderts und erfüllt somit das Kriterium, eine kulturelle Tradition zu repräsentieren. So ist das Schweriner Thronsaalappartement beispielsweise einzigartig in Europa, da es das letzte vollständig erhaltene im europäischen Raum ist. Darüber hinaus finden sich in der Stadt zahlreiche Repräsentations- und Funktionsbauten des Fürstensitzes, anhand derer das kulturelle Leben in einer Residenzstadt des vorletzten Jahrhunderts deutlich wird.

Auch das Kriterium, ein Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung zu sein, erfüllt das Ensemble in Schwerin: Es zeigt die "Funktionen und Nutzungen einer kleinfürstlichen Residenz im Zeitalter von Revolution und Restauration" (Auszug aus dem Antrag an die Kultuministerkonferenz). Die Architektur zeigt das Bestreben der Großzherzöge, ihre Herrschaft durch Gottesgnadentum und Tradition zu legitimieren. Die enge Verbindung zwischen gebautem und natürlichem Raum sowie die Einbettung des Residenzensembles in die Seenlandschaft versinnbildlicht außerdem die romantische Landschaftsauffassung: Die Natur wird zu einem idealisierten Raum.

Wie geht es weiter?

Der ebenfalls von Dr. Christian Ottersbach erarbeitete Antrag zur Aufnahme in die deutsche Tentativliste wurde Mitte Juni bei der Kultusministerkonferenz eingereicht. Jedes Bundesland konnte bis zum 1. August 2012 zwei Vorschläge in dieses Gremium einbringen – das Land Mecklenburg-Vorpommern hat neben dem Residenzensemble Schwerin auch "Die hochgotische Ausstattung des Doberaner Münsters" vorgeschlagen.

Da Deutschland jedes Jahr nur jeweils ein Kultur- und ein Naturerbe bei der UNESCO einreichen darf, dient diese Vorschlagsliste als Grundlage für die zukünftigen Nominierungen deutscher Welterbestätten beim World Heritage Committee der UNESCO: Nur solche Stätten, die mindestens ein Jahr lang auf der Liste eingetragen sind, können einen Schritt weiterkommen. Mit der Erarbeitung eines ausführlichen Antrags für die Bewerbung beim World Heritage Committee sowie eines Managementplans kann jedoch schon begonnen werden, sobald ein Vorschlag auf der Tentativliste aufgenommen worden ist.

UNESCO-Welterbe

Die von der UNESCO geführte Liste des Welterbes umfasst zurzeit 936 Denkmäler in 153 Ländern. Mehr dazu finden Sie auf der Internetseite der Deutschen UNESCO-Kommission.