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26.03.2020, 15:08 Uhr

Bauern reagieren auf Einreiseverbot für Erntehelfer

Rövershagen/Wöbbelin/Schwerin (dpa/mv) - Die Einreisesperre für Erntehelfer aus Rumänien und anderen Ländern stellt die Spargelbauern in Mecklenburg-Vorpommern vor teils erhebliche Probleme. Bäuerin Yvonne von Laer, die das Edelgemüse in Tieplitz bei Güstrow (Landkreis Rostock) großflächig anbaut, setzt nun auf Hilfskräfte aus der Region. Erste Angebote von Einheimischen gingen auch bereits ein, sagte sie am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem habe sich ein Jobvermittler bei ihr gemeldet. Offen sei jedoch, ob ungeübte Helfer den körperlichen Anforderungen des Spargelstechens über längere Zeit gewachsen seien.

In 10 bis 14 Tagen - je nach Wetterlage - benötigt von Laer zunächst 15 Personen zum Stechen und 5 bis 6 zum Sortieren der Stangen in der Halle, wie sie sagte. Wenn die Spargelernte ihren Höhepunkt erreicht, werde der Bedarf auf rund 40 Personen steigen. Über die Arbeitsagentur suche sie wie jedes Jahr zudem Fahrer und Verkäuferinnen für die Spargelstände.

In Mecklenburg-Vorpommern wird auf insgesamt rund 200 Hektar Spargel angebaut. Davon entfallen allein 65 Hektar auf den Hof Denissen in Wöbbelin (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Chefin Michaela Denissen hat Glück: Rund 30 Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen sind schon vor der vom Bundesinnenministerium am Mittwoch verkündeten Sperre angereist. Polen dürfen zwar kommen, müssen aber bei der Heimreise aktuell zwei Wochen Quarantäne in Kauf nehmen.

Nächste Woche werde in Wöbbelin die Spargelernte starten, sagte Denissen, doch schon seit einiger Zeit werde gearbeitet: «Erdbeeren pflanzen, Folien legen». Weitere 26 Arbeitskräfte wechselten aus anderen Bereichen des Unternehmens, wie Restaurant und Café, die schließen mussten, auf die Felder. Im April komme sie damit hin und dann müsse man weitersehen.

Der Chef von Karls Erdbeerhof, Robert Dahl, sagte, es könnten bei ihm in Rövershagen Ende April Probleme auftreten, wenn die ersten Erdbeeren erntereif seien. Dann würden die ersten rund 100 Erntehelfer benötigt. Deren Zahl steigere sich im Laufe der Saison auf bis zu 800. «Es ist gerade extrem schwer, Pläne zu schmieden», sagte Dahl. Bis zur Hauptzeit der Erdbeerernte seien es noch zwei Monate. «Wir sind zuversichtlich, dass die Situation dann eine andere ist.» Parallel liefen Überlegungen, mit Studenten oder Menschen, die wegen der Corona-Krise aktuell keine Arbeit haben, die Ernte zu bewältigen. «Möglicherweise kommt es zu einer Mischung der Modelle. Wir sind beweglich ohne Ende», sagte Dahl.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich erfreut über die vergleichsweise geringe Zahl von Corona-Infektionen im Land. Für eine Entwarnung oder Debatte um Lockerung der Maßnahmen sei es aber zu früh, schrieb die Regierungschefin am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter. In einer Telefonkonferenz beriet sie mit ihren Ministern über die aktuelle Lage im Land und weitere Vorkehrungen, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Den jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts zufolge ist Mecklenburg-Vorpommern mit 15 nachgewiesenen Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner im Ländervergleich am wenigsten von der Pandemie betroffen. In Hamburg, Baden-Württemberg oder Bayern ist die Rate vier Mal so hoch.

Eine Lockerung der Reisebeschränkungen nach MV forderte am Donnerstag der Verband Deutscher Grundstücksnutzer. So sollen nach dem Willen des Verbandes Bürger aus anderen Bundesländern ihre Datschen und selbst genutzten Ferienwohnungen im Nordosten aufsuchen können, was ihnen seit einer Woche untersagt ist. «Es geht hier nicht um Tourismus, sondern um Menschen, die ihre Häuschen und Wohnungen selbst nutzen. Die meisten von ihnen stammen aus Großstädten wie Berlin. Viele von ihnen sind Senioren, die gerade in den Großstädten einem besonderen Risiko unterliegen», begründete Verbandspräsident Christian Gräff die Forderung. Ihr Risiko könne vermindert werden, wenn sie in ihre Datschen und Ferienwohnungen in MV könnten.

Eine Lockerung des Nutzungsverbots für Zweitwohnungen, wie sie Schleswig-Holstein zum Teil für Hamburger gewährt, lehnt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bislang ab. «Wir kriegen das sonst nicht kontrolliert, wer hier sein darf und wer nicht. Gerade zu Ostern könnte es wieder eine starke Anreise geben, was wir nicht wollen», sagte Caffier der «Ostsee-Zeitung» (Donnerstag). Bis zum 19. April werde das Einreiseverbot für Touristen Bestand haben. Caffier geht davon aus, dass sich eine Woche nach Beginn der massiven Reisebeschränkungen noch immer knapp 10 000 Menschen aus anderen Bundesländern im Nordosten aufhalten.