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07.04.2020, 18:44 Uhr

Mögliche Lockerungen der Maßnahmen nach Ostern: Gespräche

Schwerin (dpa/mv) - Mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen sollen nach Ostern in der Landesregierung besprochen werden. Am kommenden Dienstag werde die Regierung Gespräche darüber führen, teilte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Schwerin mit. Nach Ostern solle die Lage der Krise neu bewertet und geschaut werden, in welchen Schritten Lockerungsmaßnahmen eingesetzt werden könnten.

Schwesig appellierte erneut, die geltenden Regelungen über die Feiertage einzuhalten. Nach ihren Angaben ist der Corona-Ansteckungswert in MV deutlich gesunken. Mittlerweile stecke jeder Infizierte nur noch 1,23 weitere Menschen an. «Das zeigt, dass unsere Maßnahmen wirken. Vor allem das Kontaktverbot wirkt», sagte Schwesig. Mecklenburg-Vorpommern sei weiterhin das Bundesland, was am wenigsten Infizierte pro 100 000 Einwohner habe.

Mit einer Reihe von Maßnahmen versuchen Bund und Land, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Dazu gehörten die Schließung von Schulen, Kitas und vielen Geschäften bis zum 19. April.

Die Zahl der Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern stieg am Dienstag indes stärker als noch am Vortag. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock bekanntgab, waren bis Dienstag (16.00 Uhr) landesweit 555 Fälle registriert worden. Das seien 24 mehr als noch am Vortag, an dem die Zahl der Fälle nur um drei gestiegen war.

Die Zahl der Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um drei auf elf. Im Landkreis Rostock starb ein 85 Jahre alter Mann, im Landkreis Vorpommern-Rügen ein 77 Jahre alter Mann und in der Hansestadt Rostock eine 85 Jahre alte Frau. Alle hatten den Angaben zufolge schwere Vorerkrankungen.

Die Landesregierung beschloss eine millionenschwere Unterstützung der Kulturszene in der Krise. Künstler, Kulturschaffende, Träger der allgemeinen und politischen Weiterbildung sowie Gedenkstätten sollen insgesamt mit 20 Millionen Euro geholfen werden, sagte Schwesig.

Das Hilfspaket umfasst den Angaben zufolge sechs Säulen, die zwischen 200 000 Euro und 3,8 Millionen Euro bezuschusst werden. In den 20 Millionen Euro seien 7,4 Millionen Euro Reserve beinhaltet, um bei Bedarf nachsteuern zu können. Die Kulturförderung ist Teil des 1,1 Milliarden Euro schweren «MV-Schutzfonds». Diesen hatte die Landesregierung aufgelegt.

Groß ist die Nachfrage nach Soforthilfen für notleidende Vereine und Nachbarschaftsprojekte. Das überrascht selbst die Ehrenamtsstiftung des Landes. «In der Ehrenamtsstiftung stehen die Telefone nicht mehr still», sagte Sprecherin Susann Plant. «Die Anträge von Vereinen und gemeinnützigen Einrichtungen gehen im Minutentakt ein.» Darunter seien viele Hilfsinitiativen, die Mundschutz für Personal im Einsatz nähten oder Einkäufe für Ältere auf dem Land organisierten.

Anträge kämen auch von Vereinen, die ihre laufenden Kosten wie Miete, Strom und Heizung nicht mehr begleichen können, weil infolge der Absage von Veranstaltungen oder Kursprogrammen die Einnahmen fehlten. Das Land hat zunächst 500 000 Euro Soforthilfe für das Ehrenamt bereitgestellt. Weitere Hilfsprogramme für Vereine würden auf den Weg gebracht, hieß es.

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) hat sich betroffen von Berichten über die Zunahme häuslicher Gewalt infolge der Ausgangsbeschränkungen geäußert. «Gewalt darf nicht hingenommen werden», sagte sie. «Die Täter müssen angezeigt werden.» Den Opfern sagte sie, in Mecklenburg-Vorpommern gebe es ein breites Netz an Opferschutzstellen.

Die Beauftragte der Justiz für die Opferhilfe, Ulrike Kollwitz, nehme sich ihrer Sorgen an und lotse sie an die richtige Stelle der Opferhilfe. Häusliche Gewalt wird Hoffmeister zufolge meistens gegen Frauen und Kinder ausgeübt. Sie richtete ihren Appell auch an Nachbarn und Freunde Betroffener. «Bitte achten Sie aufeinander», sagte die Ministerin.

Kollwitz riet Opfern sowie Zeugen von häuslicher Gewalt, Hilfe zu suchen. Gewalt auch in den eigenen vier Wänden sei eine Straftat, die in keinem Fall erduldet werden müsse.