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Sternsinger aus ganz M-V im Landtag zu Gast

Ein Plenarsaal voller "Könige"

Ob sie aufgeregt sind? „Caspar“, „Melchior“ und „Balthasar“ nicken. Sie haben in den ersten Januartagen schon an viele Türen geklopft. Treppauf, treppab. Bei Wind und Wetter. Sie haben Menschen zu Hause besucht. In Altenheimen. Krankenhäusern. Ihnen Segen gebracht und um Spenden für bedürftige Kinder gebeten. Jetzt stehen sie im wohl spannendsten Haus ihrer Sternsinger-Tour: dem Schweriner Schloss. „Na klar sind wir aufgeregt!“

Die drei rücken noch einmal ihre Kronen zurecht. Dann mischen sie sich unter die anderen Kinder. Zusammen verwandeln sie den Plenarsaal am 15. Januar in ein farbenprächtiges Wimmelbild aus Sternen, Kronen und bunten Gewändern. Willkommen im Landtag, ihr „Heiligen Könige“!

Caspar. Melchior. Balthasar. Wer kennt sie nicht aus Weihnachtserzählungen? Der Überlieferung nach folgten die drei Weisen aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem zum Stall, in dem Jesus Christus geboren wurde, brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe und trugen die frohe Botschaft seiner Geburt in die Welt.

Diesem Vorbild folgend, ziehen auch in Mecklenburg-Vorpommern Anfang Januar rund 1000 Sternsinger-Kinder von Tür zu Tür. Als Dankeschön für ihren Einsatz lädt der Landtag alljährlich Mädchen und Jungen aus ganz M-V in das Schweriner Schloss ein.

„Wir haben euch eingeladen, um euch zu danken, dass ihr wieder bei der Aktion Dreikönigssingen mitgemacht habt“, lobt Beate Schlupp, 1. Vizepräsidentin des Landtages, die 80 Sternsingerinnen und Sternsinger im Schloss, stellvertretend für alle, die das Hilfsprojekt unterstützt haben.

„Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit“

In diesem Jahr machten sich die Sternsinger für Kinder mit Behinderungen auf den Weg. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind weltweit 165 Millionen Mädchen und Jungen von einem Handicap betroffen. Besonders viele von ihnen leben in Entwicklungs- und Schwellenländern, zum Beispiel Peru.

„Indem ihr über das Schicksal von Altersgefährten in Peru und anderen Ländern sprecht und Spenden für sie sammelt, zeigt ihr Mitgefühl“, betonte Beate Schlupp. In Deutschland sei es selbstverständlich, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernten. In vielen armen Ländern würden behinderte Kinder indes oft ausgegrenzt.
„Schnell denken viele: Ich kann das leider auch nicht ändern – und Kinder können da erst recht nicht helfen. Aber das stimmt nicht!“

Dem pflichtet Propst Dr. Georg Bergner bei. Nicht nur auf sich selbst zu gucken, sondern sich mit Kindern auf der ganzen Welt verbunden zu fühlen, sei eine wichtige Botschaft, so der Dekan der Katholischen Kirche für die Region Mecklenburg. Dazu passe der Empfang im Landtag sehr gut. Eine elementare Aufgabe der Menschen, die hier arbeiteten, sei, für Frieden im Land zu sorgen, nach innen und außen. „Gerade ein solches Haus kann es deshalb gut vertragen, dass ihr den Segen bringt“, und die Botschaft von Gottes Frieden.

Markus Wiechert von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland bezeichnete die Aktion als „großartige Sache“, die den Blick erweitern, eigene Maßstäbe verändern und eine Hilfe für viele Menschen sein könne.

Wie viele Fenster hat das Schloss?

Nun sind die Kinder gefragt: Was wollten sie schon immer mal über den Landtag, das Schloss oder die Arbeit der Abgeordneten wissen? Viele Arme gehen nach oben. Wie viele Fenster hat das Schloss? Wie viele Ministerien gibt es? Was ist eine Fraktion? Wie lange wurde das Schloss gebaut? Vizepräsidentin Schlupp und acht Abgeordnete aus allen Fraktionen stehen Rede und Antwort. Die Kinder erfahren, dass es mehr als zehn Jahre gedauert hatte, das Schloss zu errichten, und auch heute noch immer wieder daran gebaut werden muss; dass es neun Ministerien gibt und dass sich die Abgeordneten, die aus einer Partei in den Landtag gewählt werden, zu Gruppen – den Fraktionen – zusammenschließen. Die Frage nach den Fenstern ist Mathe in praktischer Anwendung. Wie viele es genau sind, hat nämlich noch niemand gezählt. Das Schloss besitze jedoch 956 Räume mit durchschnittlich zwei bis drei Fenstern. 

Parlamentsspiel: "Einheitliche Schulkleidung in M-V?"

Der Sternsinger-Empfang ist in jedem Jahr die erste große Veranstaltung im Landtag – und bietet den Mädchen und Jungen auch Gelegenheit, selbst einmal in die Rolle von Abgeordneten zu schlüpfen. Dazu stellen sie in einem Parlamentsspiel eine Landtagsdebatte nach. Mit ausgedachten Fraktionen und kurzen Reden, aber einer echten Vizepräsidentin. Die Plätze des Kabinetts sind schnell mit kleinen Ministerinnen, Ministern und einer Ministerpräsidentin gefüllt. Wie bei einer echten Sitzung holt sich die Vizepräsidentin Beate Schlupp zwei Schriftführer an die Seite. Beate Schlupp eröffnet die Sitzung. Auf der Tagesordnung: ein Schulthema. Die „Partei des richtigen Weges“ (PRW) hat die Idee, einheitliche Schulkleidung in M-V einzuführen. Redner um Redner tritt ans Pult. Mobbing. Selbstbestimmung. Kosten. Modischer Geschmack. Vielfalt. Teamgeist. Gut zehn Minuten lang tragen die Kinder ihre Argumente für oder gegen den Antrag in die Runde. Dann ist es Zeit, zu einem Ergebnis zu kommen. „Wer stimmt für den Vorschlag?“, fragt die Vizepräsidentin. „Wer dagegen?“ Jetzt gehen die meisten Arme nach oben. „Gibt es Stimmenthaltungen?“ Beate Schlupp blickt in die Runde. „Damit ist der Antrag mit großer Mehrheit bei wenigen Zustimmungen und einigen Enthaltungen abgelehnt.“

Die Aufregung von „Caspar“, „Melchior“ und „Balthasar“ hat sich längst gelegt. Fröhlich beobachten sie die kleinen Kunststücke, mit denen „Waldionelli“, der Schulzirkus der Freien Waldorfschule Schwerin, den Sternsinger-Empfang ausklingen lässt. Bevor das farbenprächtige Wimmelbild aus Sternen, Kronen und bunten Gewändern langsam vom Plenarsaal zum Mittagessen in Richtung Schlosscafé zieht

Hier gibt es ein Video vom Sternsinger-Empfang 2019.

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Aktion "Dreikönigssingen"

Die Aktion "Dreikönigssingen" ist die größte Spendenaktion von Kindern für Kinder in Deutschland. Mehr dazu lesen Sie hier.