Der Agrarausschuss des Landtages Mecklenburg-Vorpommern hat sich am 27. Mai 2026 im Rahmen eines Expertengesprächs über die Arbeit des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf informiert. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsschwerpunkte des Instituts sowie deren Bedeutung für die Landwirtschaft und Aquakultur im Land.
Für das FBN nahmen Institutsleiter Prof. Dr. Klaus Wimmers sowie Prof. Dr. Tom Goldammer, Dr. Sandra Düpjan und Dr. Jessica Schwerdtfeger an dem Gespräch teil. Begleitet wurden sie von Jan Ostermayer, Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit des FBN.
Der Institutsleiter gab den Ausschussmitgliedern zunächst einen Überblick über die Struktur des Instituts, seine Forschungsfelder und seine Rolle innerhalb der deutschen Forschungslandschaft. Das FBN beschäftigt sich mit den biologischen Grundlagen einer nachhaltigen Nutztierhaltung. Die Forschung reicht von Tiergesundheit und Tierwohl über Genetik und Ernährung bis hin zu Fragen der Aquakultur. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung praxisnaher Lösungen für die Landwirtschaft und Fischwirtschaft sowie auf dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Anwendung.
Einen Schwerpunkt des Expertengesprächs bildeten aktuelle Forschungsprojekte des Instituts.
Vorgestellt wurde zunächst das Projekt „KI-Tierwohl“. Ziel des Vorhabens ist es, mithilfe von Künstlicher Intelligenz und moderner Sensorik das Verhalten und den Gesundheitszustand von Nutztieren automatisiert zu erfassen und auszuwerten. Dadurch sollen Tierwohlindikatoren frühzeitig erkannt und Tierhalterinnen und Tierhalter bei der Überwachung ihrer Bestände unterstützt werden.
Im Projekt „AutoPasture“ werden digitale und automatisierte Lösungen für die Weidehaltung entwickelt. Die Forschenden untersuchen, wie moderne Technologien dazu beitragen können, die Effizienz von Weidesystemen zu verbessern und gleichzeitig Anforderungen an Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu erfüllen.
Mit dem Projekt „Alg4Nut“ beschäftigt sich das FBN gemeinsam mit weiteren Partnern mit dem Einsatz von Makroalgen in der Wiederkäuerfütterung. Im Fokus stehen dabei mögliche Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistungsfähigkeit sowie auf die Reduzierung von Methan- und Stickstoffemissionen. Ziel ist es, neue Ansätze für eine klima- und ressourcenschonende Tierernährung zu entwickeln.
Ein weiterer Themenblock widmete sich der Fischzuchtforschung am FBN. Die Arbeiten befassen sich unter anderem mit Fragen der Tiergesundheit, der Genetik, des Wachstums und der Produktqualität von Fischen in der Aquakultur. Die Forschung soll dazu beitragen, die nachhaltige Entwicklung der Aquakultur zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken.
Im anschließenden Austausch berichtete das FBN, dass es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden sei, finanzielle Mittel für seine Forschung zu erwerben. Eine weitere Herausforderung sei, dass der wissenschaftliche Nachwuchs aus den deutschen Hochschulen nicht ausreiche, um die Promotionsstellen am Institut, aber auch an den Fakultäten, zu füllen. Etwa 2/3 der Stellen werden mit Doktoranden aus dem Ausland besetzt werden. Positiv daran sei, dass dadurch das internationale Netzwerk des Instituts stetig wachse.
Auf die spezifische Frage einer Abgeordneten, ob sich der Algenzusatz für die Milchrindfütterung aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohne, antwortete das FBN, dass sich die Zufütterung in der Forschung befinde und bisher noch unrentabel sei. Im weiteren Verlauf gebe es allerdings Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Gleichzeitig werde sich herausstellen, welche positiven Effekte mit Blick auf Tiergesundheit, Leistungssteigerung und Emissionssenkung erreicht werden können.
Die Vorsitzende des Agrarausschusses dankte den Vertreterinnen und Vertretern des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie für die umfassenden Einblicke in ihre Arbeit. Das Expertengespräch habe verdeutlicht, welchen wichtigen Beitrag die Forschung in Mecklenburg-Vorpommern für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen, tiergerechten und zukunftsfähigen Land- und Fischwirtschaft leiste.