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Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ beschließt die Arbeit mit über 130 Handlungsempfehlungen

Sperrfrist: 30. Juni 2026, 13 Uhr

Die Enquete-Kommission der 8. Wahlperiode des Landtages M-V bringt am 3. Juli 2026 seinen über 400-seitigen Abschlussbericht ein. 

Über allem steht aber die Botschaft, dass junge Generationen Beteiligung einfordern, ehrlich, auf Augenhöhe und transparent. Gerade in Fragen, die junge Menschen besonders betreffen, wie etwa bei bestimmten städtebaulichen Fragen oder auch der Bildungspolitik, sind sie zu beteiligen“ so der Kommissionsvorsitzende Christian Winter.

Die Kommission hat sich mit insgesamt 16 Themen beschäftigt, die sie in vier Hauptthemen geclustert hat. Das waren die gesellschaftliche Beteiligung junger Menschen, formale und non-formale Bildung, gesundes und sicheres Aufwachsen und eine kinder- und jugendgerechte Infrastruktur. Die gemeinsamen Empfehlungen der Kommission greifen alle diese Themen auf. Die Fraktionen hatten darüber hinaus die Möglichkeit, Sondervoten einzubringen. 

Die Stärkung von politischer Beteiligung aber auch von jungem Engagement im Ehrenamt muss weitergehen, wobei hier die Weichen in den letzten Jahren schon gestellt wurden. Schule muss neu gedacht werden, von der formalen Bildungsanstalt für den beruflichen Werdegang hin zu einem Lebensort, der Menschen für das Leben bildet und vorbereitet. Auch bei der Freizeit- und Wohninfrastruktur sind jugendspezifische Bedarfe besser miteinzubinden.“, formuliert Winter seine Schwerpunkte. 

Die Enquete-Kommission hat Themen der jungen Menschen in den Fokus gerückt. Dafür hat sie in 54 Sitzungen 312 Sachverständige angehört, vier Vor-Ort-Praxisbesuche durchgeführt, fünf Gutachten in Auftrag gegeben und in einem Beteiligungsprozess über 4.500 junge Menschen nach ihren Perspektiven, Anliegen und Ideen befragt und diese einbezogen. 

Nun gilt es, den Empfehlungen Nachdruck zu verleihen. Zur Perspektive der Umsetzung sagt der Vorsitzende Christian Winter: „Da die Handlungsempfehlungen von einem breiten Konsens zwischen den Fraktionen SPD, CDU, Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Gruppe der FDP getragen wurden, sollten sich deren parlamentarische Nachfolger:innen daran gebunden fühlen.“ 

Der Abschlussbericht und die Ergebnisse der Kommission und des Beteiligungsprozesses sind weiterhin auf der Internetseite des Landtags https://www.landtag-mv.de/jung-sein-in-mv-ergebnisse und der Projektseite www.mitmischen-mv.de abzurufen. Der Presseinformation hängt ein Auszug der wichtigsten Handlungsempfehlungen an. 

 

verantwortlich: LSG/SG1/DL/30. Juni 2026

Landtag Mecklenburg-Vorpommern
- Pressestelle -
Schloss, Lennéstraße 1
19053 Schwerin
Fon: 0385 / 52 52 149
Fax: 0385 / 52 52 616
Mail: Pressestelle@Landtag-MV.de

 

Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ 

Zusammenfassung der wichtigsten Handlungsempfehlungen aus den vier Themenclustern

 

Themencluster 1: Politische und gesellschaftliche Beteiligung

 

1. Verbindliche Beteiligung junger Menschen stärken

Ziel soll es sein, die systematische (dauerhaft strukturell verankerte) Beteiligung junger Menschen an politischen, schulischen und kommunalen Entscheidungsprozessen zu erleichtern bzw. zu ermöglichen. Dies soll u. a. gelingen durch den Ausbau kommunaler Beteiligungsformate und niedrigschwelliger und bürokratiearmer Beteiligungsmöglichkeiten.

 

2. Regelmäßige Kinder- und Jugendberichte erstellen

Ein landesweiter Kinder- und Jugendbericht pro Legislaturperiode soll zukünftig Grundlage für eine wissenschaftliche und belastbare Datengrundlage zu den Lebenslagen junger Menschen sein, aber auch für Jugendpolitik und Planung werden.

 

3. Ehrenamt und junges Engagement stärken

Ehrenamt bzw. Engagement wird als entscheidend und wichtig für unsere Gesellschaft angesehen. Dies ist u. a. durch eine bessere Anerkennung, Freistellungsmöglichkeiten nach Vorbild des Bildungsurlaubs oder eine stärkere Verzahnung von Engagement und Schule/Ganztag zu unterstützen.

 

Themencluster 2: Formale und non-formale Bildung

 

1. Formale Bildung

Schule soll ein zentraler, offener und lebendiger Ort des kommunalen Lebens sein, der Bildung, Begegnung, gesellschaftliches Engagement und individuelle Entwicklung miteinander verbindet. Im Mittelpunkt stehen dabei basale Kompetenzen in Sprache, Lesen, Schreiben und Mathematik, Leistungsbereitschaft, Mitbestimmung, Eigenverantwortung sowie eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung mit positiver Fehlerkultur. Unterricht soll praxisnah, projektorientiert, lebensweltbezogen und anspruchsvoll gestaltet werden, damit Schülerinnen und Schüler ihre Interessen, Stärken und Potenziale entfalten und Verantwortung für ihren Lernerfolg übernehmen können. Ganztagsbildung soll freiwillig wählbar, verlässlich, pädagogisch hochwertig und sozial ausgewogen sein und Lernzeiten, Erholung, Bewegung, Kultur, Engagement und Kooperationen mit außerschulischen Partnern sinnvoll verbinden. Eine mögliche Form, diesen beschriebenen Ansatz umzusetzen, kann der Bildungscampus sein, der Kita, verschiedene Schularten, Beratung, Jugendhilfe und weitere Unterstützungsangebote räumlich und organisatorisch miteinander verknüpft, ohne die Eigenständigkeit einzelner Schulstandorte aufzugeben.

 

2. Non-Formale Bildung

Eine zeitgemäße und zukunftsgerichtete Landesjugendhilfeplanung zu entwickeln, die Leitziele und Mittlerziele definiert, konkrete Konzepte und Maßnahmen zur Förderung junger Menschen umfasst, regelmäßig evaluiert und fortgeschrieben wird. Grundlage dieser Planung sollte ein Kinder- und Jugendbericht bilden, der einmal pro Legislaturperiode erstellt wird.

Die Finanzierung non-formaler Bildungsangebote gemäß dem Kinder- und Jugendförderungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern (KJfG M-V) sowie der Kinder- und Jugendförderungsverordnung (KJfVO M-V) weiterzuentwickeln, um sie bedarfsorientiert und nachhaltig zu gestalten. Dabei sollen künftig neben der Anzahl junger Menschen in der entsprechenden Altersgruppe auch strukturelle Faktoren – wie Entfernungen, Erreichbarkeit, Mobilitätsmöglichkeiten, regionale Besonderheiten des Flächenlandes Mecklenburg-Vorpommern systematisch berücksichtigt werden.

 

3. Frühkindliche Bildung und Fachkräftesicherung stärken

Frühkindliche Bildung wird als entscheidende Grundlage für Chancengerechtigkeit betrachtet. Um dies zu unterstreichen ist eine Sicherung des Fachkräftebedarfs wichtig. Die Fachkraft-Kind-Relation in Kitas soll verbessert werden, auch um eine stärkere Unterstützung für Kinder mit besonderem Förderbedarf zu ermöglichen.

 

Themencluster 3: Gesundes und sicheres Aufwachsen

 

1. Psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung ausbauen

Psychische Gesundheit ist eine zentrale gesellschaftliche Zukunftsaufgabe. Dafür notwendig sind ein Ausbau ambulanter und digitaler psychosozialer Hilfen insbesondere eine bessere Versorgung (u. a. mit Kinder- und Jugendpsychotherapie) im ländlichen Raum. Gefordert wird dazu eine Sensibilisierung in allen Betreuungssystemen.

 

2. Frühprävention und Unterstützungsstrukturen stärken

Prävention soll frühzeitig, niedrigschwellig und regional erreichbar organisiert werden. Dazu sollen Kinder- und Familienzentren ausgebaut, frühe Hilfen besser vernetzt und bestehende Hilfesysteme besser genutzt werden. Insbesondere auch junge Familien sollen bessere Unterstützung erhalten.

 

3. Schutz und Teilhabe schwächerer Gruppen verbessern

Unter anderem durch einen Ausbau von Kinderschutzstrukturen und Childhood-Häusern, die bessere Unterstützung geflüchteter Kinder und Jugendlicher und Präventionsarbeit zu Radikalisierung und Extremismus sollen Schutzkonzepte interdisziplinär und langfristig aufgebaut werden. Wichtig dafür sind der Abbau sozialer Zugangsbarrieren und auch der Schutz im digitalen Raum.

 

Themencluster 4: Kinder- und jugendgerechte Infrastruktur

 

1. Mobilität, Erreichbarkeit und Infrastruktur verbessern

Mecklenburg-Vorpommern braucht eine bessere Mobilität und eine gute Breitband- und Mobilfunkversorgung im ländlichen Raum. Konkret wird ein vergünstigtes bzw. kostenloses Deutschlandticket empfohlen. Ein weiteres Ziel sind kurze Wege zu Bildungs-, Freizeit- und Versorgungsangeboten. 

 

2. Kinder- und jugendgerechte Beteiligung bei Planung und Klima stärken

Die Bedürfnisse junger Menschen sollen auch bei Fragen der Stadt- und Raumplanung beachtet werden. Dazu wird ein verpflichtender, bürokratiearmer „Kinder- und Jugend-Check“ empfohlen und die Beteiligung junger Menschen an der Raum- und Klimaplanung u. a. durch ein Quartiersmanagement als Beteiligungsinstrument. Aber auch Schutzkonzepte für klimatische Extremereignisse sind Zukunftsfragen.

 

3. Wohn- und Freizeitinfrastruktur ausbauen

Die Lebensqualität junger Menschen soll im direkten Sozialraum verbessert werden. Damit einher geht die Schaffung bezahlbaren und barrierefreien Wohnraums, die Unterstützung jungen Wohnens und jugendgerechte Freizeit- und Begegnungsräume mit flexiblen Treffpunkten für Jugendliche.

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