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Landtagspräsidentin Birgit Hesse: „Nationalsozialismus begann mit Worten!“

Landtagspräsidentin Birgit Hesse hat heute (27. Januar 2026) während eines Gedenkkonzertes des Landtages Mecklenburg-Vorpommern im Plenarsaal des Schweriner Schlosses zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus daran erinnert, wie sehr die Zeit des Nationalsozialismus mahne, was geschehen könne, wenn Demokratie verachtet und Macht über Recht gestellt werde. 

Der Nationalsozialismus begann nicht mit Lagern und Vernichtung. Er begann mit Worten. Mit Ausgrenzung. Mit der Einteilung von Menschen in ‚wertvoll‘ und ‚wertlos‘. Er begann mit dem Abbau von Demokratie, mit der Verachtung von Vielfalt und mit der Illusion, es gebe einfache Antworten auf komplexe Fragen. Er begann dort, wo Kompromisse als Schwäche galten, wo Andersdenkende zu Feinden erklärt wurden und wo das gesellschaftliche Miteinander zerbrach“, so die Landtagspräsidentin. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, kein immerwährender Zustand. Sie bleibe ein Prozess und lebe vom Mitmachen, vom Zuhören, vom Aushalten unterschiedlicher Meinungen, von Respekt, von Toleranz – und von der Fähigkeit, Kompromisse einzugehen.

Birgit Hesse: „Der 27. Januar ist daher kein Datum wie jedes andere. Es ist ein Tag, der uns zwingt, langsamer zu werden. Still zu werden. Uns zu erinnern. Denn die Verbrechen des Nationalsozialismus sind keine abstrakten Zahlen. Sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden. Hunderttausende Sinti und Roma. Politisch Verfolgte, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Zeugen Jehovas, Andersdenkende. Millionen Menschen. Millionen Leben. Millionen Stimmen - die verstummt sind. In den Konzentrationslagern, in den Ghettos, in den Gefängnissen und auf den Todesmärschen wurde den Menschen alles genommen: ihre Freiheit, ihre Würde, oft sogar ihre Namen. Und doch gab es etwas, das man ihnen nie ganz nehmen konnte: ihre Menschlichkeit. Und hier, an diesem Punkt, tritt etwas in den Vordergrund, das oft leise ist – aber auch ungeheuer stark sein kann: die Musik. Wenn wir - so wie heute - Musik hören, die in dieser Zeit entstanden ist oder die an diese Zeit erinnert, dann können wir genau das wahrnehmen. Wir hören Geschichten. Wir hören Trauer. Wir hören Hoffnung. Wir hören das, was nicht in Bücher, Aufsätze oder Zahlen passt. Deshalb ist Musik ein unverzichtbarer Teil des Erinnerns. Sie macht Geschichte fühlbar. Sie lässt uns nicht nur wissen – sondern empfinden. Doch Erinnerung darf nicht in Ritualen verharren. Sie darf nicht bequem oder beliebig werden. Gedenken ist keine Pflichtübung. Es ist eine Haltung. Und genau deshalb ist Erinnerung nicht nur eine historische Pflicht. Sie ist eine zutiefst politische – im besten Sinne des Wortes. Sie ist eine Verpflichtung gegenüber unserer Demokratie.

Im Anschluss an die Rede der Landtagspräsidentin gedachten die Abgeordneten und geladenen Gäste der Opfer des Nationalsozialismus mit einer Schweigeminute. Unter den Gästen befanden sich auch Schülerinnen und Schüler aus Schweriner Schulen.

Das heutige Gedenkkonzert gestalteten die norwegischen Künstler Haakon und Martha Smith, die Sopranistin Cloi Sugano und der Tenor Edrian Esmena. Sie präsentierten eine Auswahl aus dem Liederzyklus „Stimmen des Holocaust“, welcher während der Studienzeit von Martha und Haakon Smith entstand. In Ihrer damaligen New Yorker Nachbarschaft freundeten sich die Smiths mit Holocaust-Überlebenden an, die ihnen Ihre persönlichen Geschichten anvertrauten. Aus den Erinnerungen an Buchenwald, Auschwitz und Theresienstadt entstand der Liederzyklus „Stimmen des Holocaust“, der den Mittelpunkt der heutigen Gedenkveranstaltung bildete. Mit Joana Buchholz, Lucy Vetting und Lucie Lengardt trugen drei Schülerinnen des Malchower Gymnasiums „Fleesenseeschule“ die begleitenden Texte zum Liederzyklus vor.

Unmittelbar vor dem Gedenkkonzert hatte Prof. Dr. Sigrid Jacobeit, ehemalige Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, einige Worte an die Anwesenden gerichtet. Als ehemalige Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück hat sie die Erinnerungsarbeit an einem der zentralen Orte nationalsozialistischer Verbrechen über viele Jahre maßgeblich geprägt.

Seit 1996 gedenkt Deutschland am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hatte den Gedenktag angeregt. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.

verantwortlich:
LSG/SG1/DL/27. Januar 2026


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