Zu Beginn der 127. Plenarsitzung hat Landtagspräsidentin Birgit Hesse an den 18. März als Tag der Demokratiegeschichte erinnert und eine Ansprache im Landtag Mecklenburg-Vorpommern gehalten.
Der 18. März wird im Jahr 2026 erstmals bundesweit als Aktionstag begangen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern finden aus diesem Anlass zahlreiche Veranstaltungen statt, die die historische Bedeutung dieses Datums aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Ansprache der Landtagspräsidentin Birgit Hesse
Der 18. März ist ein besonderer Tag in der deutschen Geschichte. Er steht für das Streben nach Demokratie. Ich begrüße es daher sehr, dass der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft für den 18. März als Tag der Demokratiegeschichte übernommen hat, der 2026 erstmalig als Aktionstag stattfindet.
Es gibt nur wenige Tage in der deutschen Geschichte, die von einschneidender Bedeutung sind und generationenübergreifend im Gedächtnis bleiben. Neben dem 9. November ist der 18. März einer dieser Tage. Der 18. März steht für drei Jahrhunderte des demokratischen Aufbruchs für Freiheit, politische Gleichberechtigung und Menschenrechte und den mutigen Einsatz gegen monarchische sowie diktatorische Unterdrückung. Die Menschen sind immer wieder aufgestanden und haben ihr Leben für Mitbestimmung und Demokratie riskiert.
Das war am 18. März 1793 in Mainz mit der Erklärung der Mainzer Republik der Fall, als frühes Beispiel beginnender parlamentarischer Selbstverwaltung von 126 Städten und Gemeinden. Nach nur neun Monaten und davon mehrmonatiger Belagerung wurde Mainz von Preußen erobert und die Republik beendet.
45 Jahre später kam es in vielen Teilen Europas erneut zu revolutionären Umbrüchen. So auch in Berlin am 18. März 1848 als Höhepunkt der bürgerlich-demokratischen Revolution. In Barrikadenkämpfen starben mehr als 270 oppositionelle Bürger – darunter Frauen und Kinder. Auch auf dem Gebiet unseres heutigen Bundeslandes gab es Unruhen; die mecklenburgische Bevölkerung forderte antifeudale und demokratische Reformen. In größeren Städten entstanden Arbeitervereine, die teilweise sogar eigene Zeitungen herausbrachten. In den ländlichen Regionen kam es ebenfalls zu Massenaktionen von Landarbeitern und Tagelöhnern. In Waren beispielsweise gab es bewaffnete Kämpfe, die unter massivem Militäreinsatz niedergeschlagen wurden.
Ein bedeutendes Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte steht zweifellos vielen der hier Anwesenden sehr unmittelbar vor Augen, weil sie es miterlebt haben. Am 18. März 1990 fanden die Wahlen zur letzten Volkskammer der DDR statt. Diese Wahl war die einzige freie Wahl der Volkskammer der DDR und ein wichtiger demokratischer Meilenstein hin zur parlamentarischen Demokratie wie auch zur Deutschen Einheit. Die Wahlbeteiligung lag damals bei beeindruckenden 93,4 Prozent. Gewählt wurden 400 Abgeordnete aus den Bezirken der DDR.
Unter uns Abgeordneten befindet sich auch heute jemand, der an diesem wichtigen Tag, dem 18. März 1990, in aktiver Funktion dabei war und als Abgeordneter in die letzte Volkskammer der DDR gewählt wurde: Dr. Till Backhaus.
Nennen möchte ich ebenso weitere ehemalige Abgeordnete des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, die ebenfalls Abgeordnete der letzten und freien Volkskammer der DDR waren: Christoph Brandt, Dr. Thomas Brick, Lorenz Caffier, Prof. Dr. Alfred Gomolka, Frieder Jelen, Kerstin Kassner, Dr. Peter Kauffold, Bärbel Kozian, Hinrich Kuessner, Lothar Meier, Dr. Harald Ringstorff, Johann Scheringer, Jürgen Seidel, Dr. Peter Stadermann, Joachim Steinmann und Gottfried Timm.
Ihnen allen gilt unser Dank für ihr Wirken in der Zeit nach dem Tag der Volkskammerwahl – einer Zeit des Aufbaus und der Festigung der parlamentarischen Demokratie.
Dieser Tag und die historischen Ereignisse zeigen, dass demokratische Rechte und Freiheiten nicht von allein entstehen. Sie müssen zunächst errungen und dann aktiv geschützt werden. Ganz aktuell geben diese historischen Ereignisse deshalb auch Orientierung.
Hintergrund:
Der Aktionstag „18. März – Tag der Demokratiegeschichte“ wurde initiiert, um diese historischen Linien sichtbar zu machen und das Bewusstsein für demokratische Errungenschaften zu stärken. Ziel ist es, die Bedeutung demokratischer Rechte und Institutionen zu vermitteln und zugleich daran zu erinnern, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern kontinuierliches Engagement erfordert.
Im Jahr 2026 wird der 18. März erstmals bundesweit als Aktionstag begangen. Zahlreiche Veranstaltungen, Projekte und Bildungsangebote greifen das Datum auf und laden dazu ein, sich mit der Geschichte und Gegenwart der Demokratie auseinanderzusetzen.