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Dritte Konferenz der Kinder- und Jugendparlamente in Mecklenburg-Vorpommern: Junge Perspektiven im Plenarsaal

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz © Landtag MV

Kinder und Jugendliche machen in M-V Politik: Mehr als 50 junge Vertreterinnen und Vertreter aus Kinder- und Jugendparlamenten diskutierten im Plenarsaal des Schweriner Schlosses über Beteiligung, Einfluss und Verantwortung. Mehrere Landtagsabgeordnete beteiligten sich an der 3. Konferenz der Kinder- und Jugendparlamente M-V am Sonnabend, 29. November. Ein Tag voller Dialog, Ideen und der Botschaft: Demokratie beginnt mit Mitmachen.

Normalerweise diskutieren im Plenarsaal des Schweriner Schlosses Landtagsabgeordnete über Gesetzesvorhaben, Förderprogramme oder den Landeshaushalt. Am letzten Sonnabend im November aber füllen junge Stimmen den Saal. Die Plätze im Rund sind besetzt von Schülerinnen, Schülern und jungen Engagierten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Es ist die 3. Konferenz der Kinder- und Jugendparlamente, organisiert als Kooperationsprojekt von Schabernack e.V. und dem Landtag. Sie zeigt: Beteiligung beginnt dort, wo Räume geöffnet werden. 

Staatsrecht war für mich früher trocken“, sagt Landtagspräsidentin Birgit Hesse bei der Begrüßung. „Heute weiß ich: Es ist die Grundlage unseres Miteinanders. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen ist Haltung gefragt.“ Die Konferenz macht klar, dass politische Bildung und demokratische Beteiligung keine Pflichtübungen sind – sondern lebendige Prozesse. Junge Menschen, die Fragen stellen, Positionen vertreten und eigene Ideen einbringen, machen Demokratie konkret erfahrbar.

Sozialministerin Stefanie Drese übermittelte eine Videobotschaft. Darin forderte sie, Beteiligung auch auf lokaler Ebene weiter zu stärken: „Lasst uns vor der eigenen Haustür anfangen – etwa mit Jugendtickets im ÖPNV oder direkten Mitwirkungsmöglichkeiten in kommunalen Ausschüssen.“

Politische Beteiligung aus allen Teilen des Landes

Mehr als 50 Teilnehmende aus mehr als 18 Kinder- und Jugendgremien reisten nach Schwerin – von Jugendräten in Rostock, Hagenow und Schwerin bis hin zu neuen Vertretungen in Banzkow. Die Altersspanne reichte von unter 14 bis über 18 Jahren. Viele der jungen Vertreterinnen und Vertreter engagieren sich aktiv auf kommunaler Ebene, einige Gremien besitzen Rederecht in Ausschüssen. Auch neue Strukturen wie der kürzlich gegründete Dachverband der Kinder- und Jugendvertretungen MV wurden vorgestellt. Ziel: Die Kräfte im Land bündeln, Wissen teilen – und gemeinsam sichtbar werden.

Im Zentrum der Konferenz standen sieben Thementische. Dort wurde – im direkten Austausch mit Abgeordneten – zu aktuellen Fragestellungen gearbeitet:

  • Wie gelingt echte Umsetzung des Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetzes?
  • Wo funktioniert die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Kommunalpolitik gut – und wo hakt es?
  • Wie lässt sich Nachwuchs gewinnen und neue Zielgruppen erreichen?
  • Ist politische Neutralität in Jugendvertretungen möglich – oder gar hinderlich?
  • Wie bleibt Engagement vereinbar mit Schule, Freizeit und Hobbys?
  • Welche Projekte vor Ort machen Beteiligung sichtbar?
  • Und wie lässt sich mehr Aufmerksamkeit für diese Themen schaffen?

Gerade der Punkt „politische Neutralität“ wurde kontrovers diskutiert. Viele junge Teilnehmende betonten: Wer sich für die Interessen junger Menschen einsetzt, kann nicht unpolitisch bleiben. Es gehe nicht um Parteilichkeit – sondern um Werte. Um Haltung. Und um Sichtbarkeit.

In kurzen Gesprächsrunden – fast wie Speed-Dating – kamen Jugendliche und Abgeordnete direkt ins Gespräch. Ohne Podium. Ohne Mikrofon. Auf Augenhöhe. Ergänzt wurde das Format durch offene Projektvorstellungen, kreative Mitmachaktionen und persönliche Einblicke in die Arbeit der Gremien vor. Das Bild, das dabei entstand: vielfältig, engagiert, zukunftsgewandt.

Beteiligung muss spürbar sein

Mit der Konferenz wurde der Dialog zwischen Parlament und Jugend erneut gestärkt. Das Ziel bleibt klar: Beteiligung muss nicht nur möglich sein – sie muss gelebt werden. Auf Landesebene, aber vor allem auch vor Ort. In Ausschüssen. In Gemeinderäten. In Projekten, die spürbar etwas verändern.

Das Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetzes schafft den rechtlichen Rahmen für Mitbestimmung junger Menschen. Doch Gesetzestexte allein reichen nicht – es braucht Orte, Formate und Strukturen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Der neu gegründete Dachverband setzt genau hier an. Alicia Kupka, eine der Sprecherinnen, bringt es auf den Punkt: „Unser Verband wurde von Jugendlichen für Jugendliche gegründet. Wir sind schon auf Bundesebene aktiv – und möchten auch im Land Wirkung zeigen.

Zum Abschluss erhielten alle teilnehmenden Gremien Urkunden – als Zeichen der Anerkennung. Doch die Wirkung reicht über symbolische Gesten hinaus. Die Konferenz zeigt: Demokratie lebt vom Mitmachen. Von Stimmen, die sonst oft nicht gehört werden. Von Perspektiven, die frischen Wind bringen.

Und vielleicht war genau das der eigentliche Moment an diesem Tag: Als im Plenarsaal nicht nur geredet, sondern zugehört wurde. Als junge Ideen Platz bekamen. Und als der Raum, der sonst den Großen gehört, für einen Tag lang Bühne wurde – für die, die die Zukunft gestalten wollen.

Autorin: Juliane Fuchs

Zur Übersicht der Kinder- und Jugendbeteiligungsgremien in Mecklenburg-Vorpommern (PDF - 611 KB)

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